Geräte, welche von Endkunden gekauft werden, müssen beim Hersteller registriert werden. Diese Registrierung regelt nicht nur die vertraglichen Rechte und Pflichten mit dem Hersteller, sondern gilt auch als Besitznachweis. Dieser Artikel erklärt einige wichtige Punkte, warum die Geräte auf einen Account des Besitzers und nicht auf den Reseller-Account oder einen Sammelaccount registriert werden sollen und dürfen. Wir heben auch die daraus entstehenden Vorteile hervor.
Die Gründe, warum Geräte nicht auf einen Endkunden Account registriert werden sind vielfältig. Von Unwissenheit über Bequemlichkeit oder das Befolgen von veralteten Prozessen bis hin zu Fehler beim Vorgehen.
Auch wenn dieser Artikel sich vor allem auf die Fortinet Umgebung bezieht, gelten die allgemeinen Hinweise auch für andere Hersteller.
Rechtliche und regulatorische Aspekte
- Asset-Eigentum: Das Gerät ist ein Investitionsgut des Kunden. Die Registrierung auf einen Dritten kann bei Audits oder Versicherungsfällen (z. B. Brandschäden, Rechtsschutz Fälle, etc.) zu Problemen führen, da der rechtliche Besitzer nicht mit dem registrierten Inhaber übereinstimmt.
- Kontaktadresse: Auch wenn Schwachstellen festgestellt werden oder von Ermittlungsbehörden Durchsuchungsbeschlüsse veranlasst werden, werden die Registrierungsdaten beigezogen. Wenn die Geräte falsch registriert sind, kann dies Ermittlungen behindern oder verzögern. Im schlimmsten Fall steht die Behörde vor der falschen Türe.
- Datenschutz (nDSG / DSGVO): FortiCloud-Accounts enthalten oft personenbezogene Daten (Logs, Usernames, Konfigurationen, etc.). Wenn ein Reseller alle Kunden in einem Account bündelt, vermischt er Datenströme. Eine saubere Trennung ist für die Compliance (Auftragsdatenverarbeitung) essenziell.
- Lizenzrecht: Software-Subskriptionen sind meist an den Endnutzer gebunden. Verstösst der Reseller gegen Exportrichtlinien oder Compliance-Vorgaben, könnten alle unter seinem Account registrierten Geräte (auch die unbeteiligter Kunden) gesperrt werden. (Beispiel: Sanktionierte Personen)
Operative Risiken
- RMA-Prozess: Bei einem Hardware-Defekt wird das Austauschgerät standardmässig an die im Account hinterlegte Adresse gesendet. Das führt zu massiven Verzögerungen in der Logistik.
- Support-Berechtigung: Der Fortinet-Support (FortiCare) validiert die Identität. Hat der Kunde selbst keinen Zugriff, kann er im Notfall (z. B. Insolvenz des Resellers) keine Tickets eröffnen.
- Vendor Lock-in: Will der Kunde den Dienstleister wechseln, gestaltet sich der Transfer der Assets oft schwierig und zeitaufwendig („De-registration“ und „Re-registration“ oder Transfer).
- Security Breach: Wird der Reseller-Account kompromittiert (Credential Stuffing, fehlendes MFA), hat der Angreifer potenziell Zugriff auf die gesamte Flotte aller Kunden.
Strategische Chancen
Eine korrekte Registrierung bietet die Basis für ein professionelles Managed Service Provider (MSP) Modell.
- Transparenz & Vertrauen: Der Kunde sieht, was er gekauft hat. Das stärkt die professionelle Wahrnehmung des Resellers als Berater, nicht als “Besitzer” der Hardware.
- Mandantenfähigkeit durch Nutzung des FortiCloud-Ökosystems: Funktionen wie FortiManager/Analyzer Cloud, FortiEDGE Cloud, FortiSASE, Flex Points oder FortiGate Cloud lassen sich für jeden Kunden individuell skalieren, ohne die Mandantenfähigkeit mühsam simulieren zu müssen.
- Automatisierte Renewals: Wenn die Accounts sauber getrennt sind, können automatisierte Benachrichtigungen direkt an die Verantwortlichen gehen, was die Renewal-Quote erhöht.
- Zentrales Management via IAM: Fortinet bietet hervorragende Möglichkeiten, den Endkunden-Account zu erstellen und dem Reseller via IAM (Identity and Access Management) oder FortiCloud Multi-Tenancy Zugriff zu gewähren. Dies ist der “State of the Art” Weg.
- FortiCloud Key Abfragen können übersprungen werden, indem die Geräte via einen Reseller Account (mit Berechtigung auf den Endkunden Account) registriert wird.
- Endkunden Accounts können unter Reseller Accounts verknüpft werden. Der Wechsel von Resellern wird dadurch einfacher und die Verwaltung vereinfacht sich ebenfalls, da selektiv Berechtigungen auf die wirklich benötigten Funktionen erteilt und entzogen werden können.
- Trial Lizenzen sind pro Fortinet Account aufgeschaltet. Pro FortiCloud Account kann eine Testlizenz gelöst werden. Für mehrere Kunden reicht eine Lizenz möglicherweise nicht aus.
Die Registrierung auf den Endkunden-Account ist nicht mehr mit administrativem Mehraufwand verbunden. Durch das Multi-Tenancy-Modell behält der Reseller die zentrale Übersicht, während mit den IAM-Rollen rechtssicher und nach dem Prinzip des ‘Least Privilege’ gearbeitet wird. Das schützt Reseller vor Haftungsrisiken bei Sicherheitsvorfällen und professionalisiert die Dienstleistung gegenüber dem Kunden.
MSP Ausnahmen
Viele Hersteller unterscheiden bei MSP Anbieter zwischen …
- “Operated by” MSP
- Der MSP macht die Verwaltung der Geräte, aber die Gerätschaften gehören dem Kunden, weil dieser sie erworben hat.
- Die Geräte und Lizenzen sind entsprechend auf den Kunden registriert.
- Kunde kauft Hardware oder Software.
- Bei Problemen ist der Endkunde die Kontaktstelle.
- “Owned by” MSP
- Die Geräte gehören dem MSP und er stellt für seine Kunden einen Service zur Verfügung. Die Assets gehören dem MSP.
- Die Geräte und Lizenzen sind entsprechend auf den MSP registriert.
- Kunde kauft eine Dienstleistung.
- Bei Problemen ist der MSP die Kontaktstelle.
Informationsquellen zum Thema
Das Fortinet End User License Agreement: https://www.fortinet.com/content/dam/fortinet/assets/legal/EULA.pdf
Die IAM Anleitung für die FortiCloud: https://docs.fortinet.com/document/forticloud/latest/identity-access-management-iam/703535/introduction
Die Anleitung zum Verknüpfen von Kunden-Accounts in Reseller Accounts: https://docs.fortinet.com/document/forticloud/26.3.0/partner-administration-guide/248205/connecting-to-the-customer-using-a-token-based-invitation-in-partner-roles
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